Hamburg: Zukunftsraum der Energiewende in Europa

19. März 2026

Die ace group errichtet unter anderem Schnellladestationen in Häfen, Logistikzentren und an Autobahnen.

Ace group-CEO Mathias Wasko erklärt, warum Hamburg für ihn der europäische Ausgangspunkt einer klimaneutralen Logistik ist – und weshalb vor allem die Zukunft der Mobilität mehr Tempo braucht.

Autoren: Nicole de Jong und Holger Grabsch

POHM: Herr Wasko, die ace group sitzt in Hamburg – einer Stadt, die wie kaum eine andere für Logistik, Hafenwirtschaft und Energiewende steht. Warum ist der Standort Hamburg der richtige Ort für Ihre Vision sauberer Energie?

Mathias Wasko: Hamburg ist für uns ein echter Zukunftsraum. Die Stadt verbindet ein starkes industrielles Fundament mit der Offenheit für neue Technologien. Hier können wir Innovation nicht nur planen, sondern direkt in die Praxis umsetzen. Darüber hinaus erkennen wir das Potenzial und den wachsenden Bedarf unserer Kunden an Ladeinfrastruktur in Kombination mit Photovoltaik.

Welche Rolle spielt Hamburg in Ihren europäischen Wachstumsplänen? Ausgangspunkt, Knotenpunkt oder Schaufenster?

Hamburg ist in Wahrheit alles gleichzeitig: Ausgangspunkt unserer Projekte, Knotenpunkt unserer europäischen Vernetzung – und Schaufenster für moderne Energieinfrastruktur. So haben wir in diesem Jahr ein Kombiprojekt in den Niederlanden realisieren können, bestehend aus Ladeinfrastruktur, Photovoltaik und Batteriespeichersystemen. Ein Solar-Carport-Projekt befindet sich bereits im Bau. Hamburg besitzt eine Strahlkraft, die weit über Deutschland hinausreicht.

Sie profitieren von der Nähe zum Hafen, zu Industriepartnern und zu europäischen Energienetzen. Was heißt das konkret für Ihre Arbeit?

Der Hafen und die gesamte Metropolregion Hamburg bergen ein einzigartiges Potenzial. Hier treffen Logistik und Industrie in einer außergewöhnlichen Dichte aufeinander, was vor allem für innovative Unternehmen interessant ist. Für uns bedeutet das: Wir können Lösungen unter realen Bedingungen umsetzen und gemeinsam mit unseren Kunden passgenau weiterentwickeln

Wie wichtig sind europäische Partnerschaften und gemeinsame technische Standards?

Ohne einheitliche Standards bleibt Europa in der Energiewende Stückwerk. Wir brauchen gemeinsame Normen – für Ladeinfrastruktur, Speichertechnologien und digitale Steuerungssysteme. Erst dann lassen sich Projekte im industriellen Maßstab skalieren. Die Energiewende ist ein europäisches Projekt.

Logistik ist einer der größten Energieverbraucher. Wie kann Ihre Technologie hier zu mehr Nachhaltigkeit beitragen?

Die Logistik ist ein Energiegigant – und damit ein zentraler Hebel für echte Dekarbonisierung. Die ace group ermöglicht, dass erneuerbare Erzeugung, Batteriespeicher und intelligente Ladepunkte zu einem integrierten System verschmelzen. So sinken Emissionen, die Effizienz steigt – und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern wird spürbar reduziert.

Welche Potenziale sehen Sie in der Elektrifizierung von Lkw-Flotten und einer leistungsfähigen Schnellladeinfrastruktur?

Elektrische Lkw sind technisch bereit für den Massenmarkt. Das Nadelöhr ist die Infrastruktur. Wenn wir Schnellladestationen dort errichten, wo Güter tatsächlich bewegt werden – in Häfen, Logistikzentren, an Autobahnen –, entsteht ein erheblicher wirtschaftlicher Vorteil für unsere Kunden. Die Betriebskosten elektrischer Flotten sind attraktiv – vorausgesetzt, Energie ist zuverlässig verfügbar. Genau daran arbeiten wir.

Welche Rolle spielt dabei die Kombination aus Photovoltaik, Batteriespeichern und Ladeinfrastruktur?

Diese Kombination ist der Schlüssel zu echter Energieautonomie. Photovoltaik liefert günstigen Strom, Speicher machen ihn planbar, und intelligente Ladesysteme nutzen ihn optimal. So entsteht ein ökologisch wie ökonomisch überzeugendes Gesamtsystem. Viele Logistikhubs können damit bereits heute einen Großteil ihres Energiebedarfs selbst decken.

Ihr Unternehmen bietet Planung, Beratung und Umsetzung aus einer Hand. Warum ist dieser integrierte Ansatz so wichtig?

Die Energiewende scheitert selten an Ideen - sie scheitert an Schnittstellen. Wenn Planung, Technik, Wirtschaftlichkeit und Umsetzung getrennt voneinander laufen, gehen Zeit und Geld verloren. Unser Ansatz reduziert Komplexität, schafft Geschwindigkeit und erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit. Angesichts der Dringlichkeit der Transformation ist das ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

Hamburg: Zukunftsraum der Energiewende in Europa

Mathias Wasko CEO der ace group
© Highres Garbe Portraits

Europa will grüne Energie – doch vielerorts geht es nur schleppend voran. Wo hakt es, und was müsste sich ändern?

Das größte Problem ist die Geschwindigkeit. Genehmi gungsverfahren dauern zu lange, regulatorische Vorga ben sind oft zu komplex. Wir brauchen digitalisierte Planungsprozesse, klare Prioritäten sowie ausreichen de Kapazitäten im Netzausbau – und vor allem politi sche Verlässlichkeit. Technik und Investoren sind da – jetzt muss die Regulierung nachziehen.

Wenn Sie an Europa als gemeinsames Energieprojekt denken: Was stimmt Sie optimistisch, und wo wünschen Sie sich mehr Entschlossenheit?

Optimistisch macht mich, dass der Wille zur Verände rung so groß ist wie nie. Die Industrie investiert, die Ge sellschaft steht hinter der Energiewende und Europa verfügt über enormes technologisches Know-how. Mehr Geschwindigkeit wünsche ich mir bei Speicher technologien sowie mehr Nachdruck beim Netzausbau und beim Aufbau einer intelligenten Ladeinfrastruktur.

Was bedeutet für Sie persönlich „Nachhaltigkeit made in Europe"?

Für mich bedeutet das, Lösungen zu schaffen, die ökologischen Anspruch, wirtschaftliche Vernunft und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbinden. Nachhaltigkeit aus Europa steht für Qualität, Innovationskraft – und die Überzeugung, dass Wohlstand und Klimaschutz zusammengehören. Es ist ein Versprechen – und unser Auftrag.

 

Port of Hamburg Magazine 4.2025: Europa https://www.hafen-hamburg.de/de/port-of-hamburg-magazine/europa/