Kann Langeweile zur Antriebskraft werden? Psychologen der Universität Hamburg entschlüsseln: Was treibt uns voran?

27. Mai 2026

Die Universität Hamburg beherbergt mehr als 6.200 Forschende. In der gemeinsamen Kolumne „Forschung und Erkenntnis“ der Universität Hamburg und des Hamburger Abendblatts stellt Professor Wanja Wolff aus dem Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaft seine Forschungsarbeit vor. Seit 2024 leitet er das Labor zur dynamischen Steuerung menschlicher Leistungen an der Universität Hamburg. Als begeisterter Hobbyausdauersportler beschäftigt er sich mit der Frage, warum Menschen bei langfristigen Zielen mal erfolgreich, mal weniger erfolgreich arbeiten – etwa bei der Vorbereitung auf einen Halbmarathon. Seine Forschung untersucht die Gründe für Durchhaltevermögen oder Aufgeben sowie den Umgang mit Langeweile, Anstrengung und Erschöpfung im Alltag.

Kurze intensive Belastung oder langfristige geringere Beanspruchung?

Langeweile und Belastungsgefühle beeinflussen maßgeblich Entscheidungen bei der Aufgabenerfüllung und geben Hinweise auf Kosten-Nutzen-Verhältnisse des eigenen Einsatzes. Im Labor kombiniert das Forschungsteam Methoden aus Psychologie, Neurowissenschaft und Sportmedizin, um zwei zentrale Fragestellungen zu erforschen: Wählen Menschen lieber kurzfristige Höchstbelastung oder dauerhafte geringere Anstrengung zur Zielerreichung? Wie verändert sich die Entscheidungsqualität bei aufkommender Langeweile?

Für die Untersuchungen werden zahlreiche Parameter wie Griffkraft, Hautleitwert, Schmerzempfinden, Blickverhalten und Fragebogendaten zeitgenau erfasst und miteinander verknüpft.

Langeweile als unterschätzter Steuerungsfaktor im menschlichen Verhalten ?

Der Umgang mit Langeweile unterscheidet sich stark von Mensch zu Mensch: Einige suchen bei Langeweile nach Alternativaktivitäten, andere erhöhen ihre eigene Anstrengung zur Aufgabenerfüllung – wobei der daraus resultierende Erschöpfungsgrad dem nach schwierigen Aufgaben entspricht.

Um Ziele dauerhaft zu erreichen, ist es nicht sinnvoll, das Training allein nach zeitlicher Effizienz auszurichten. Stattdessen sollten Rahmenbedingungen geschaffen werden, die Langeweile minimieren: Gruppenübungen, abwechslungsreiche Trainingsorte und Sportarten sowie spaßorientierte Aktivitäten helfen dabei.

Auch das Anstrengungsgefühl birgt noch unerforschte Potenziale; trotz hundertjähriger Forschung bleiben viele Fragen offen, sodass die Untersuchung der Leistungssteuerung ein langfristiges Forschungsfeld für Professor Wolff darstellt.Sein persönliches Erfolgsrezept für den Halbmarathon:

Jeden Donnerstag gemeinsam mit Kollege Nico die regelmäßige Laufeinheit absolvieren.